Fehlgeburt

Ariata: „<3 Derzeit lese ich das Buch „Wir gehören zu euch“ über sogenannte Sternenkinder (während der Schwangerschaft verstorbene Kinder) von Anna Hubrich. Es ist sehr einfühlsam geschrieben. Beim Lesen habe ich mich auch an meine eigene Fehlgeburt vor vielen Jahren erinnert. Sie geschah in der 8. Schwangerschaftswoche. Ich hatte eine leichte Blutung und berichtete unbesorgt einer Freundin davon. Ich hatte gelesen, dass leichte Blutungen kein Anlass zur Sorge seien. Meine Freundin aber schaute mich alarmiert an und sagte: „Das ist kein gutes Zeichen. Ich hatte bei meinen Schwangerschaften nie irgendwelche Blutungen.“ Was sie unausgesprochen mitsendete, war: „Wenn es ein Abgang ist, dann ist es so und dann komm damit klar.“ Es hatte etwas Kompromissloses, etwas Endgültiges. Von ihr kam kein Wort des Trostes und keinerlei Beschwichtigung. Dafür ein starkes: „Komm damit klar!“ Dennoch glaubte ich nicht an eine Fehlgeburt bzw. wollte ich nicht, dass es so sein könnte.
Das Kind ging aber am nächsten Tag endgültig ab. Ich hatte eine starke Blutung und viele Gewebebrocken lösten sich aus meiner Gebärmutter. Ich hielt innerlich Zwiesprache mit dem Kind und verstand, warum es ging. Ich fuhr auf meinem Rad ins Krankenhaus, liess einen Ultraschall machen und erfuhr, dass der Körper des Kindes bereits weg war. Runtergespült im Klo. Ich dachte trocken und mit einer Portion Galgenhumor: „Wie unromantisch.“ Die Frauenärztin meinte: „Wir müssen jetzt eine Ausschabung machen, um das restliche Gewebe zu entfernen.“ Ich verstand das nicht und fragte: „Warum denn? Ich blute doch so gut, der Körper macht das alleine.“ -„Nein, man muss unbedingt eine Ausschabung machen, das Gewebe kann sich sonst evtl. nicht lösen und entzündet sich! Das kann so schief gehen, dass Sie verbluten oder später keine Kinder bekommen können.“ Ich spürte kurz in mich. Ich spürte keinerlei Gefahr, sondern: Ich hatte erkannt, dass ich das Kind loslassen musste, und mein Körper spiegelte mir diese Bereitschaft in einer tüchtigen Blutung. Ich wiederholte also: „Ich mache keine Ausschabung. Mein Körper macht das super alleine!“ Die Ärztin schaute mich etwas verzweifelt an und meinte: „Ich hole eine Zweitmeinung.“ Sie liess einen Oberarzt kommen, der sehr gestresst und abwesend wirkte. Er kam zu mir in den Warteraum und meinte nur kurz ohne mich untersucht zu haben und ohne mir nur schon in die Augen zu schauen: „Ich muss Ihnen ganz dringend empfehlen, dass Sie eine Ausschabung machen, Sie können sonst verbluten!“ -„Ich will keine Ausschaubung machen.“ -„Dann müssen Sie unterschreiben, dass Sie auf eigenes Risiko nach Hause gehen.“ -„Ok, mache ich.“ Er verschwand wieder, die Frauenärztin reichte mir die Papiere und bat mich darum, zwei Tage später für einen Kontrolluntersuch zu kommen. Ich willigte ein.Meine Gebärmutter machte alles prima alleine. Die Blutung war ca. 24h sehr stark, dann wurde sie weniger und schliesslich war sie wie eine normale Regelblutung. Mir ging es soweit gut. Natürlich war der Verlust des Kindes traurig, aber ich konnte die Gründe dafür aufgrund meiner Seelenkommunikation mit dem Kind verstehen und somit konnte ich das Geschehen verarbeiten und loslassen. Ich fühlte schon bald (nach einigen Wochen) keinen Schmerz mehr, wenn ich an das Kind dachte, sondern eine grosse Stärkung durch dieses Erlebnis. Der Kontrolluntersuch bei der Ärztin zeigte, dass alles ok war.
Erst durch das Lesen des Buches wurde mir bewusst, dass Ausschabungen nach Fehlgeburten an der Tagesordnung sind. Man lässt eine Frau eine Fehlgeburt nicht einfach abbluten. Den Frauen wird diese Option nicht einmal vorgestellt oder offen gelassen. Warum nicht? Eine Fehlgeburt ist wie eine starke Periode oder wie eine leichte Geburt. Der Körper macht das schon. Man könnte der Frau eher Lösungstipps mit an die Hand geben: Wie sie sich vom Kind verabschieden kann oder wie sie Vertrauen in sich und den Prozess gewinnt oder was die Botschaft des Kindes sein könnte bzw. wie sie sie empfangen kann.
Das Buch „Wir gehören zu euch!“ hilft jedenfalls genau bei diesen Fragen. Es ist auch Jahre nach einer stillen Geburt oder Fehlgeburt hilfreich und man kann auch dann noch mit der Seele des Kindes in Kontakt treten. Das Buch beschreibt wie. Auch bei Zwillingsschwangerschaften, bei denen nur eines der Kinder überlebt, ist es sowohl für die Eltern auch für den überlebenden Zwilling hilfreich.
Ich finde es klasse, dass Anna Hubrich sich dieses Themas angenommen hat, denn Fehlgeburten sind viel mehr als „biologische Unfälle“. Sie sind tiefgehende Erfahrungen für alle Beteiligten, das Kind eingeschlossen. Das Buch ist sowohl für Frauen als auch Männer geeignet, denn es werden auch verschiedene Bespiele gezeigt, wie Männer mit dem frühen Tod ihres Kindes umgehen <3. Das Buch gibt der Leserschaft viele Schlüssel mit an die Hand. Weibliches Wissen will verbreitet werden und gerade stille Geburten verdienen einen sehr achtsamen Platz in unserer Gesellschaft <3 !“